Für Abiturienten

Seminarfach
Heinrich-Böll-Haus (Erweiterungsbau) Drucken
Schulgeschichte - Die Gebäude

Als zu Beginn des Schuljahres 1991/92 im Land Thüringen die Gymnasien mit den Klassenstufen 5 bis 12 ins Leben gerufen wurden, vergrößerte sich die Schülerzahl gewaltig. Das Heinrich-Böll-Gymnasium umfasste nunmehr 27 Klassen mit ungefähr 1000 Schülern. Als Unterrichtsgebäude standen zu diesem Zeitpunkt die Otto-Ludwig-Oberschule, das kleine Nebengebäude in der Sonneberger Straße und eine Anzahl von Klassenräumen in der ehemaligen polytechnischen Oberschule in der Reinhardtstraße zur Verfügung. Die Bedingungen waren unzureichend. Es herrschte Raumnot, vor allem die Fachunterrichtsräume genügten nicht den Anforderungen eines modernen Unterrichts.
Die Verantwortlichen waren sich darüber im Klaren, dass es notwendig war, baldmöglichst Abhilfe zu schaffen.


Durchblättert man die Jahrbücher des Heinrich-Böll-Gymnasiums, so findet man seit 1992 in jedem Jahr einen Abschnitt, der sich mit dieser Problematik beschäftigt. „Ein neues Gymnasium soll entstehen" und „Gymnasium braucht einen Erweiterungsbau" lauten die Überschriften diesbezüglicher Artikel.
Bereits zu Beginn des Jahres 1990 wurde in Saalfeld in der Öffentlichkeit diskutiert und am „Runden Tisch" festgelegt, dass am Schulgebäude in der Sonneberger Straße 15 ein Erweiterungsbau vorzunehmen ist. Seit 1991 beschäftigten sich die Ausschüsse des Kreistages Saalfeld, vor allem der Kultusausschuss, intensiv mit dieser Problematik.
Die Fraktionsvorsitzenden der im Kreistag vertretenen Parteien überzeugten sich vor Ort davon, dass dringend etwas getan werden muss, um den Anforderungen des Unterrichts am Gymnasium gerecht zu werden.
Nach eingehender Diskussion stimmte der Kreistag Saalfeld am 21. September 1992 dem Neubau eines 4-zügigen Gymnasiums mit Sporthalle in Saalfeld/Graba mehrheitlich zu.


Die Planungsarbeiten gingen anfangs gut voran und so wurde im Juni 1994 der erste Spatenstich durch den damaligen Thüringer Kultusminister Dieter Althaus und den Landrat des Kreises Saalfeld Jürgen Pfeiffer vorgenommen. Diese Aktion sollte die einzige auf dem für den Neubau vorgesehenen Gelände bleiben. Nach der optimistischen Ankündigung in der Lokalpresse „Neues Gymnasium ist keine Vision" wurden die Töne bald leiser, der Neubau wurde in Frage gestellt und schließlich erfuhren die Saalfelder aus ihrer Zeitung „Traum vom schönen Gymnasium geplatzt".


Nunmehr stand eine andere Variante auf der Tagesordnung. Das Schulverwaltungsamt brachte in Abstimmung mit dem Kultusausschuss des Kreistages den Vorschlag, den Standort Graba völlig aufzugeben und statt dessen einen Erweiterungsbau am traditionsreichen Standort der Otto-Ludwig-Oberschule vorzunehmen. Damit wurde der bereits 1990 geäußerte Gedanke wieder aufgegriffen.


Die mobilen Raumzellen am Tor des BöllgymnasiumsZunächst musste man jedoch der katastrophalen Raumsituation begegnen. So wurden neue Unterrichtsräume im Otto-Ludwig-Haus und im Speisesaalgebäude geschaffen. Da auch diese noch nicht ausreichten, wurden in Vorbereitung des Schuljahres 1995/96 vier mobile Raumzellen auf dem Schulgelände neben dem Otto-Ludwig-Haus aufgestellt, in denen Schüler der 5. Klassen unterrichtet wurden. Übrigens war das nicht das erste Mal, dass eine solche Notlösung geschaffen werden musste. In der Schulchronik des Realgymnasiums Saalfeld findet man einen Eintrag, dass „am 11. April 1926 an der Ostseite der Schule eine Baracke in Benutzung genommen wird, in der einige Klassen Aufnahme finden". Also schon damals herrschte Raumnot!


Nachdem die Planungsarbeiten für den Erweiterungsbau abgeschlossen waren, wurde am 7. Februar 1996 der Entwurf dem Bildungsausschuss des Kreistages und der Presse vorgestellt. Die Lokalpresse veröffentlichte Bauzeichnung und Modell mit genauer Beschreibung. Aber bereits kurze Zeit später wurde die Hoffnung auf einen Erweiterungsbau und damit auf eine Verbesserung der unzulänglichen Raumverhältnisse - zu diesem Zeitpunkt fand der Unterricht an fünf verschiedenen Stellen im Schulgelände statt - getrübt. Auch die neue Variante sei aufgrund fehlender Haushaltmittel in Frage gestellt. Und der Presse war zu entnehmen, dass nunmehr mehrere Möglichkeiten überdacht werden müssten.
Lehrer und Schüler wehrten sich dagegen. Die Schülersprecher beschlossen, gegen den drohenden Baustopp zu protestieren. Schüler überreichten den Abgeordneten des Kreistages ein Schreiben, in dem sie auf die Notwendigkeit des Erweiterungsbaus hinwiesen.

Während der Osterferien standen sie vor dem Rathaus und sammelten Unterschriften.
Am 11. April waren Landrat, Bürgermeister, Abgeordnete und Elternvertreter eingeladen, um sich vor Ort ein Bild von den Lehr- und Lernbedingungen zu machen.
Als am 15. April der Haushalts- und Finanzausschuss zu seiner Beratung zusammenkam, hatten sich vor dem Landratsamt Lehrer und Schüler eingefunden, um nochmals auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen.
Am 16. April übergaben Schüler des Böllgymnasiums dem Vorsitzenden des Kreistages 2843 Unterschriften.

Am 18. April formierte sich eine Initiative, bestehend aus Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen, die sich verstärkt um den Erweiterungsbau bemühte. „Teilen und Bauen" hieß es nun. Diese Initiative löste in den kommenden Monaten immer wieder neue Aktionen aus. Sie wurde von dem Gedanken getragen, dass wir eine neue Schule brauchen, aber sie förderte auch die Erkenntnis, dass andere ebenfalls Bedürfnisse haben. Konkret hieß das, dass die zur Verfügung stehenden Mittel mit dem Rudolstädter Gymnasium „Fridericianum" geteilt wurden.
 

Am 29. Mai 1997 erfolgte die offizielle Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau des Heinrich-Böll-Gymnasiums. Der Baubeginn lag zu diesem Zeitpunkt bereits einige Wochen zurück. Aber für die Grundsteinlegung hatte man bewusst diesen Tag gewählt. Am 29. Mai 1837 - also vor 160 Jahren - war die Saalfelder Realschule eröffnet worden.


In den folgenden Monaten konnte man sich täglich vom Fortgang der Bauarbeiten überzeugen.


Am 11. Dezember 1997 schwebte die Richtkrone über dem Rohbau. Vergessen waren die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Entstehung des Baus.
Im Verlauf des Jahres 1998 nahm der Bau zunehmend Gestalt an. Schulleiterin Maria-Luise Blazejewski beriet ständig mit den Verantwortlichen, damit der Termin für die offizielle Einweihung im Frühjahr 1999 gehalten werden konnte.


Und unter der Überschrift „Ein festlicher Tag" wurde im Jahrbuch 1998/99 ausführlich in Wort und Bild über die Einweihungsfeier berichtet.
Nach fast zweijähriger Bauzeit wurde der Erweiterungsbau offiziell seiner Bestimmung übergeben. Bürgermeister Richard Beetz hatte Recht mit seiner Feststellung „Schwere Geburten werden die schönsten Kinder".
Das moderne Gebäude hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend bewährt. Heute könnte man sich einen Schulbetrieb ohne das Heinrich-Böll-Haus nicht mehr vorstellen.