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Otto-Ludwig-Haus (Realgymnasium) Drucken
Schulgeschichte - Die Gebäude

Am 16. April 1885 zog das Herzogliche Realgymnasium in das neue Schulgebäude in der Sonneberger Straße ein, in das Gebäude, das die Saalfelder als Realgymnasium, als Otto-Ludwig-Oberschule und nunmehr als Otto-Ludwig-Haus des Heinrich-Böll-Gymnasiums kennen und dessen 120-jähriges Jubiläum wir im Jahr 2005 begingen.

Die Einweihung des Gebäudes war für Saalfeld ein historisches Ereignis. Im Bericht über diesen festlichen Tag heißt es: "An den Feierlichkeiten der Eröffnung nehmen der Herzog Georg II., Vertreter der Staatsregierung und anderer Behörden teil.

Am 16. April 1885 versammeln sich die Gäste in der Alten Realschule. Dort spricht der Bürgermeister von Saalfeld freundliche Worte des Abschiedes aus dem alten der Stadt gehörenden Hause. Der Direktor dankt für alles erwiesene Entgegenkommen und fordert die Schüler auf, sich dessen stets zu erinnern. Durch die festlich geschmückten Straßen bewegt sich alsdann der Zug nach der neuen Bildungsstätte. Hier huldigt der Bürgermeister dem Herzog als dem Schirmherrn des Gymnasiums."

 

Nachdem der Fürst der Schule seinen Glückwunsch dargebracht hatte, hielt Professor Dr. Paul Pinzger, Direktor der Schule von 1882 bis 1894 die Festrede.

Hier ein Auszug aus seiner Ansprache: "Wahrlich eine lockende Aussicht ist es, die uns das neue Gebäude für die fernere Entwicklung unserer Schule deute! An erhabener Stelle thronend, schaut es weit hinaus ins Land, ragt es empor über das geschäftige Treiben des Tages, von reiner Himmelslust umströmt, frei von Dunst und Qualm, fern von lautem Gewühl. Sicherlich dürfen wir hierin, in die Zukunft hinausschauend, eine Vorbedeutung dessen erblicken, daß hier das Streben nach Hohem und Herrlichem besser gefördert, stille Sammlung und Vertiefung, dieses Zeichen des geistig lebenden Menschen, erleichtert, der Lebensodem reiner Sitte und makellosen Wandels unsichtbar uns zufließt. Freundlich und hell in seinem Äußern und nicht minder in seinem Innern bietet es dem Lichte und Leben ungehinderten Eingang. Es kann ja kaum anders sein, als daß in so hellen freundlichen Räumen unwillkürlich dessen, der darin aus- und eingeht, sich ein heiterer Frohsinn bemächtigt, ein Geist, in welchem Friede und Freundlichkeit, Nachgiebigkeit und Eintracht ihre Wurzeln weit besser schlagen und kräftiger treiben als anderwärts."

Pinzger verweist dann auf die Worte, die über dem Hauptportal des Hauses angebracht sind:

Pinzger weist darauf hin, dass der Arbeit die Frucht entstammt, dass dem Menschen ohne Mühe und Anstrengung keine Frucht in den Schoß fällt, Und er fährt fort: "Wer unermüdet die hohen Ziele, die dem Menschen gesteckt sind, verfolgt, dem wird der Segen seiner Mühe Preis vollenden, und es ist gewiß noch kein Schüler gewesen, der nicht an sich selbst die Wahrheit jenes Spruches erfahren hätte." 

 

Wechselvoll war dann die Geschichte des Saalfelder Gymnasiums. Es erlebte die Kaiserzeit. Viele ältere Schüler mussten 1914 in den 1. Weltkrieg ziehen. Eine große Anzahl der jungen Menschen kehrte nicht wieder zurück.

Nach 1918 erfolgte die Erziehung der Schüler ganz im Sinne der bürgerlich-parlamentarischen Weimarer Republik.
Dann folgte die NS-Diktatur. Im Programm des Schuljahres 1933/34 heißt es: "Das Jahr 1933/34 stand ganz im Zeichen der nationalsozialistischen Umwälzung." So ist es nicht verwunderlich, dass der Leiter des nunmehrigen Reformrealgymnasiums die Aufsicht über das Thüringer höhere Schulwesen hatte. Und in der Festschrift "100 Jahre Realgymnasium Saalfeld" wurde im Jahre 1937 festgestellt, "dass die Anstalt ganz im Banne des Hakenkreuzes steht". In den ersten Jahren des 2. Weltkrieges gab es an der Schule enthusiastische Siegesfeiern, obwohl in diesem verbrecherischen Krieg auch viele ehemalige Saalfelder Gymnasiasten ihr Leben verloren.
Als im Jahre 1945 dieser unselige Krieg zu Ende und der deutsche Faschismus geschlagen war, gab es auch für die Schule eine schlimme Hinterlassenschaft. In dem Gebäude in der Sonneberger Straße wurden zunächst keine Gymnasiasten unterrichtet. Es diente zunächst als Lazarett, später als Berufsschule und als Grundschule.
Im Oktober 1945 wurde Dr. Paul Petzold zum Leiter der Oberschule ernannt. Ihm wurde die Aufgabe zuteil, praktisch aus dem Nichts eine Oberschule zu schaffen, die ihrem Inhalt nach den demokratischen Prinzipien der Schulreform entsprach. Am 30. April 1946 wurde im "Hirschsaal"am Markt die Oberschule wieder eröffnet, der Unterricht begann am 2. Mai 1946. Die Schule konnte ihr eigentliches Gebäude in der Sonneberger Straße noch nicht wieder nutzen. Der Unterricht fand in den folgenden Jahren in der Altsaalfelder Schule, in der Landwirtschaftsschule in der Pfortenstraße, in der Berufsschule in der Fleischgasse und später im Dürerbau in der Albrecht-Dürer-Straße statt. Erst 1951 konnte die Oberschule Saalfeld in das Gebäude in der Sonneberger Straße zurückkehren.
Wie ging es weiter? Aus der Oberschule Saalfeld, die 1948 den Namen "Otto-Ludwig-Oberschule" erhielt, wurde die Erweiterte Oberschule (EOS) Saalfeld mit den Klassenstufen 9 bis 12. Im Schuljahr 1969/70 wurden die 9. und 10. Klassen Vorbereitungsklassen für die Abiturstufe.
Später gab es an den Erweiterten Oberschulen der DDR nur noch die Klassen 11 und 12.
Nach der Wiedervereinigung wurden mit Beginn des Schuljahres 1991/92 in Thüringen die Staatlichen Gymnasien eingeführt. Seitdem gibt es das Heinrich-Böll-Gymnasium Saalfeld mit den Klassenstufen 5 bis 12.
Der Name "Heinrich-Böll-Gymnasium" wurde der Schule im August 1991 verliehen. Der Name des großen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll wird dem Anliegen der politisch-ideologischen Umgestaltung der Schule nach der Wende im Jahre 1989 voll gerecht.

Aber auch der Name des Schriftstellers Otto Ludwig bleibt weiterhin erhalten. Das so hervgorragend sanierte 120-jährige Gebäude ist das Otto-Ludwig-Haus des Gymnasiums.